Michael Stahl

Der Arzt und Alchimist J. M. Stahl beschloss im Jahre 1766 sich in Zweibrücken niederzulassen. Es gelang ihm Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken davon zu überzeugen, dass er aus unedlen Metallen Gold herstellen könne. Christian, der sich für die Alchimie interessierte und von der Aussicht auf das Gold geblendet war, ließ sich dazu überreden Stahl Geld zur Einrichtung eines Laboratoriums zu geben.

Die Versprechungen Stahls erfüllten sich natürlich auch nach längerer Zeit nicht. Um mit einem Erfolg aufwarten zu können, fing Stahl an den Herzog für ein weiteres Projekt zu begeistern. So richtete Stahl 1767 auf Kosten von Christian eine Porzellanfabrik auf Schloss Gutenbrunn ein. Dort wurde zwar tatsächlich herrliches Porzellan produziert, aber die Kosten für dessen Herstellung waren immens und an einem kaufkräftigen Kundenpotenzial mangelte es, so dass sich auch diese Unternehmung für Pfalz-Zweibrücken als Verlustgeschäft entpuppte.

Trotz eindringlicher Warnungen an den Grafen aus verschiedenen Richtungen ließ sich Christian aber nicht von Stahl abbringen. Und Stahl wartete auch schon mit der nächsten Idee auf. Er ließ sich den Königreicher Hof bei Kusel übertragen, angeblich mit der Absicht dort in großen Mengen künstlichen Dünger zu erzeugen. Doch Stahl wirtschaftete den Hof in kurzer Zeit herunter.

Neben zusätzlichen Geldgeschenken und der Übertragung der Direktion von verschiedenen Unternehmen erhielt Stahl von Herzog Christian auch noch verschiedene Titel und Ämter wie Hofrat, Hofkammerrat, Geheimrat sowie Direktor des Chaussee- und Polizeiwesens. Sehr zum Leidwesen derer, die sich von Stahl nicht täuschen ließen und es kaum glauben konnten, wie blind Herzog Christian gegenüber den Gaunereien von Stahl war. Doch sie konnten gegen Stahl in seiner Position und unter dem Schutz von Christian nichts ausrichten. Trotzdem fasste Stahl den Entschluss den Abstand zwischen sich und Zweibrücken zu vergrößern, um unbeobachteter weiter zu agieren. Er zog um auf den Eschelbacherhof bei Baumholder, der im Volksmund heute noch Stahlerhof genannt wird. Dort befindet sich auch eine Gedenktafel.

Schon nach kurzer Zeit hatte Stahl die umliegenden Gemeinden gegen sich aufgebracht, nutzte er doch seine Macht rücksichtslos aus und schaltete und waltete wie es ihm in den Sinn kam. Jede Gegenwehr der Bewohner schlug er dank seiner Ämter und seinem Rückhalt am Hofe mit Gewalt nieder.

Ein Ende für die Machenschaften Stahls gab es erst, als Herzog Christian starb. Sofort traten diejenigen auf den Plan, die schon immer fassungslos und handlungsunfähig die Ränke Stahls beobachtet hatten. Stahl kam wegen seiner Vergehen vor Gericht. Die Untersuchungen zogen sich über 16 Jahre bis 1790. Seine Ämter wurden ihm entzogen. Er musste Rückzahlungen leisten und seine Besitztümer wurden verkauft, um seine Schulden zu bezahlen. Der Eschelbacher- oder Stahlerhof wurde 1785 in Baumholder zur Versteigerung freigegeben.